“ Gott mit dir, du Land der Bayern“

Der Ammersee ist nach dem Chiemsee und dem Starnberger See der drittgrößte See in Bayern und der am weitesten nach Norden reichende Voralpensee.

Häufig wird er auch als ländlich geprägter „Bauernsee“ im Gegensatz zum vornehmeren „Fürstensee“ (Starnbergersee) bezeichnet. Der See ist Eigentum des Freistaates Bayern, für dessen Verwaltung die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen zuständig ist. Der See hat eine Fläche von rund 47 Quadratkilometern und eine maximale Tiefe von etwa 80 Metern. Die am südlichen Seeende gelegene Schwedeninsel ist durch die fortschreitende Verlandung schon zu einer Halbinsel geworden und wird irgendwann ganz mit dem Ufer verschmelzen. 

Heute bedecken die Wälder in der Ammerseeregion etwa 20 – 30% der Fläche.

Unter den Bäumen ist wiederum die Buche am konkurrenzstärksten. In den Wäldern der
Region dominieren die  Buchenwaldgesellschaften.

Schon bei wenig Licht am Waldboden findet man (oft
flächig) junge Buchen.

Wenn man sich in den ganzen Dörfern umschaut: was hier an Rokoko- und Barock-Kirchen entstanden ist! Selbst die kleinsten Dörfer haben eine Riesenkirche. Ich glaube, in diesem kirchlichen Umfeld ist auch wahnsinnig viel Theater entstanden. Das ist in Bayern viel stärker verwurzelt als anderswo, weil es eine ununterbrochene katholische Tradition gegeben hat. Die wurde nie vom Protestantismus unterbrochen. Man hat das Gefühl, wir haben eine ganz alte katholische Tradition, und die ist ohne Abbruch.

Diese ungebrochene katholische Tradition in weiten Teilen Bayerns galt noch vor 50 Jahren als Ausweis von Rückständigkeit. Viele Wirtschaftsexperten glaubten, dass der Katholizismus – anders als das Protestantentum – eine ökonomische Modernisierung behinderte. 

Die, die hier sitzen, da hat keiner was mit der Kirche, oder auch nur einen Gedanken an die Kirche. Sondern nur an das gemütliche Stüberl, das dunkle Bier und die Schweinshaxen. Das ist es, warum die Leute hierher kommen.“ 

Unser Bier ist mit unserem Glauben auf das Innigste verbunden. Und zwar aus kultureller Verantwortung heraus. Im Gegensatz zu diesen Minderheiten, die eine Religion haben, die das Bier verbietet, sind wir stolz, eine Religion zu haben, die das Bier sogar selber braut!“ ( Gerhard Polt)

Schon deshalb kann Bayern nicht ohne den Katholizismus auskommen. Im Süden bleibt die Kirche im Dorf. Auch wenn immer weniger hineingehen.

Die idyllische Lage machte schon vor 1900 Utting zu einem beliebten Künstlerort. Bert Brecht lebte zeitweise hier.

Am Abend sieht es dann so aus.

Der Sprungturm, das Wahrzeichen von Utting am Ammersee

Mir sind hier zu viele Menschen und so mache ich mich auf zum Wanderweg Richtung Dießen.

Durch den schattigen Wald kann ich einen weiten Ausblick auf Dießen mit dem blau schimmernden Ammersee und Kloster Andechs in der Ferne genießen. Urige Baumriesen, Totholz aus zusammengebrochenen Altbuchen und eindrucksvolle Baumindividuen machen den Pfad zu einem echten Walderlebnis.

 

Der Ammersee und urige Baumriesen

Ich habe einen fantastischen Blick auf die Alpenkette vom Karwendel.

Überall des Weges laden Bänke, Sitzgruppen zum Verweilen und Genießen ein.

In Riederau gibt es ein kühles Bierchen, einen prächtigen Blick auf Kloster Andechs und dern Karwendel.

Und später noch einen  grandiosen Sonnenuntergang..

Einst war Dießen ein blühender Kurort. Heute ist der einstige Glanz ein bisschen verblasst: Die Uferanlagen und Parks an der Seepromenade sind ziemlich abgerockt – wie man in diesen Zeiten sagen würde. Oder anders ausgedrückt: Zumindest am Seeufer herrscht ein gewaltiger Sanierungsstau.

 

Schön ist, dass niemand je auf die Idee gekommen ist, die alten Fischerhütten an der Promenade zu sanieren oder gar durch Neubauten zu ersetzen. Man kann hier noch heute spüren und riechen, wie die Menschen arbeiteten, als der Tourismus noch keine Rolle spielte. Fischer fuhren morgens hinaus und hingen später ihre Netze an die Wände der Hütten, um sie zu flicken und zu trocknen. Und genau dort hängen sie auch heute noch. Vergessen im Laufe der Zeiten – oder ganz bewusst als nostalgisches Relikt hier wieder angebracht. Auch einige ältere Gerätschaften der Fischerei hängen noch an den Wänden.

Um zum Marienmünster zu gelangen, muss man einen recht steilen Hügel erklimmen. Fasadenmalerei an den barocken Häuserfronten.

Die größte Sehenswürdigkeit Diessens ist das Marienmünster, das in den Jahren 1732-1739 durch den Barockbaumeister Johann Michael Fischer errichtet wurde und bis 1803 Mittelpunkt des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts Dießen war. Der eindrucksvolle Bau hat eine wundervoll festlich elegante Ausstattung. Der Hochaltar wurde von Francois Cuvilliés entworfen, die Deckengemälde von Johann Georg Bergmüller. Die Stukkaturen sind das Werk der Gebrüder Feichtmayr, eine Kanzel stammt von Johann Baptist Straub. Sehenswert sind auch die Altargemälde der Italiener Tiepolo und Pittoni sowie eine Petrusstatue des Erasmus Grasser.

‚Es kunnt a eppas dro sei – und wenn ned, dann schadt’s nix!‘ Also: es könnte ja was dran sein an der Religion, deshalb muss ich mich dran halten. Und wenn nix dran ist, dann hat es wenigstens keinen Schaden angerichtet, wenn ich mich dran gehalten habe. Ich glaube schon, dass das so die Einstellung ist: Religion wie Versicherung. Man verhandelt, vielleicht nicht gerade mit dem lieben Gott, aber mit seinen Vertretern hier auf der Welt, ums Heil. Ein wahnsinnig gutes Beispiel dafür ist auch der „Brandner Kaspar“, dieses berühmte Schauspiel. Der mit dem Boandlkramer – das ist die Figur für den Tod – mit einigen Gläsern Schnaps, die er ihm einschenkt – dem berühmten Kirschgeist –, seinen eigenen Tod hinausschieben kann um ein paar Jahre.“ ( aus dem: Brandner Kaspar)

Bayern ist ein Land, in dem Religion noch öffentlich sichtbar ist. Marterl stehen am Wegesrand und über die Berggipfel wacht das Kreuz. Der sonntägliche Kirchgang ist für die älteren noch selbstverständlich.

Auf dem Papier ist Bayern nach wie vor sehr christlich geprägt. Über die Hälfte der Bayern sind Katholiken – damit ist der Freistaat das Bundesland mit dem höchsten römisch-katholischen Bevölkerungsanteil in Deutschland. Rund jeder Fünfte in Bayern ist Protestant.

Moos auf der Kirchenmauer

Weniger Pomp in einem Privathaus

Der Schacky-Park

Der königliche Kämmerer Ludwig und seine Gattin Julia, Barone von Schacky auf Schönfeld, erwarben ab 1904 die baumlosen Wiesen im Süden des Marktes Dießen, um sich den Traum eines ‚Englischen Gartens’ zu verwirklichen.

Heute ist dieser Traum für jedermann zugänglich und entführt in ein Gartenparadies von verwunschener Schönheit. Auf verschlungenen Wegen trifft der Spaziergänger auf alte Skulpturen und Brunnen, ein Monopteros steht erhaben und das Entenhaus erinnert an die ländliche Idylle. Dichte Gehölzgruppen, lichte Haine und offene Gartenräume sind zu begehen.

Das Radom Raisting ist eine denkmalgeschützte Satelliten-Bodenstation in Raisting am Ammersee.

Weithin sichtbar und bekannt ist das Radom, die Boden-Satellitenstation, über die die Europäer einst die erste Mondlandung verfolgen konnten. Die charakteristische Kugel über der Satellitenschüssel fehlte allerdings, seit Sturm „Bianca“ im Februar 2020 über das Weilheimer Land fegte und die Traglufthülle zerstörte.

Das Radom rettete Europa die Übertragung der Mondlandung

Ohne die Satelliten-Bodenstation Radom hätten die Europäer vermutlich die Mondlandung 1969 verpasst, da die eigentlich vorgesehene amerikanische Satellitenstation defekt war. Es ist also der Antenne 1 der Erdfunkstelle Raisting zu verdanken, dass Hunderte Millionen Zuschauer die erste Mondlandung live am Fernseher miterleben konnten. Heute steht das Radom als Industriedenkmal unter Denkmalschutz.

Seit 1455 beten und arbeiten die Benediktinermönche auf dem „Heiligen Berg“ und betreuen die älteste Wallfahrt Bayerns.

Das klösterliche Leben richtet sich nach der Regel des heiligen Benedikt von Nursia. Sie lässt sich kurz auf die Formel „bete und arbeite“ bringen. In Andechs betreuen die Mönche die Wallfahrt und die umliegenden Pfarreien und leiten die klösterlichen Wirtschaftsbetriebe.

Der Altarraum war weitgehend abgesperrt, es gab leider keine Sitzgelegenheit.

Nirgendwo ist Bayern so sehr Bayern wie auf dem heiligen Berg von Andechs. Das Glockengeläut der Klosterkirche schallt weit über den Ammersee hinaus ins Land. Der Himmel ist weiß-blau. Und im Süden ragt die Berg-Silhouette der Alpen auf. Es wirkt, als habe sich der Freistaat seit Jahrhunderten nicht verändert. Als sei er wie eh und je eine Einheit aus Staat und Kirche.

Nur 50 Schritte von der Klosterkirche entfernt steht das legendäre Andechser Bräustüberl. (Das war leider geschlossen, so wie alle anderen Lokale auf dem Berg.)

Bayern scheint der frommste Fleck auf Erden zu sein. Doch wer genau hinhört, der bemerkt: das hier ist gar nicht Bayern.

Interview im Bayrischer Rundfunk:

Unser Bier ist mit unserem Glauben auf das Innigste verbunden. Und zwar aus kultureller Verantwortung heraus. Im Gegensatz zu diesen Minderheiten, die eine Religion haben, die das Bier verbietet, sind wir stolz, eine Religion zu haben, die das Bier sogar selber braut!“

„Schon deshalb kann Bayern nicht ohne den Katholizismus auskommen. Im Süden bleibt die Kirche im Dorf. Auch wenn immer weniger hineingehen.“

Wenn wir Bier haben, Schnaps und Wein, brauchen wir keinen Alkohol, um lustig zu sein. So was steht hier oben auf dem heiligen Berg!“

Nun ist das der heilige Berg hier…“

So heilig kommt der mir nicht vor! Glaube nicht, dass der heilig ist!“

Die Bayern nennen ihn aber so…“

Ja die Bayern! Erst in die Kirche, und hinterher kloppen sie sich! Scheinheilig sind die, nicht heilig!“

„Tatsächlich? Ist der Freistaat vielleicht gar nicht so christlich-katholisch, wie er sich im Rest Deutschlands gerne darstellt? Sind die Bayern am Ende nur schein-heilig?

In Herrsching genieße ich den letzen schönen Abend. Für den nächsten Tag ist Sturm angesagt.